18. Februar 2010

Traum in Indien

Knapp bevor ein Jahr seit meinem letzten Eintrag vergangen ist, draengt es mich heute zum schreiben. Wir sind in Indien, genauer in Alibagh, eine Halbinsel in der Bucht von Bombay, im neuen Haus alter Freunde. Gestern machten wir einen Ausflug, der Kuest entlang, zu einem Fort, das die Siddis - Nachkommen von abessinischen Sklaven - vor rund 400 Jahren gebaut haben. Uneinnehmbar, rundum von Meer umgeben. Zur Ueberfahrt auf einem einsegligen Boot stieg eine ganze Klasse junger Maedchen zu. Froehliche, heitere Wesen, schoene junge Menschen, unbeschwert und einnehmend in der Kommunikation.

Dann heute Nacht der Traum. Ich befinde mich in einem altmodischen Lebensmittelladen. Ich weiss, dass eines dieser zauberhaften jungen Maedchen von gestern da ist. Ganz nahe. Ich schaue nicht hin. Beim Zahlen merke ich, dass sie neben mir steht. Da spuere ich ploetzlich, wie ihre Hand die meine beruehrt. Wie zufaellig erst, dann bestimmter, die meinige streichelnd. Ich werfe kurz einen seitlichen Blick ueber die Schulter. Sehe das junge Maedchen, wie es zu mir aufsieht. Mit offenen Augen, fast sehnsuechtig. Das Herz klopft. Ich bin erregt. Bleibe auf mich allein fokussiert. Gehe nicht auf einen Dialog ein. Weiss, dass, was jetzt kaeme, nicht stimmig waere. Nehme die innere Erregung als etwas Schoenes in mir wahr.

Heute morgen, beim Nachdenken, wird mir klar, dass ich diese Erregung des Herzens auch als ein Aufwirbeln des Einen Seins in mir sehen kann. Also kann ich durch das Aufwirbelnde hindurch fuehlen. Es ist das Sein, mein Wesen. Eine "Shaktipat-Erfahrung" erfasst mich. Ich bin Liebeswirbel, vom Scheitel bis zur Sohle.

Ein weiterer Aspekt daemmert auf. Es geht um die Erkenntnis des Unterschieds zwischen Bezogenheit und Verbundenheit. Verbundenheit im Einen Sein gegenueber Bezogenheit der aeusseren Phaenomene auf einander. Indem ich nicht auf die Bezogenheit, ausgeloest durch den sehnenden Blick, eingegangen bin, habe ich auf eine nicht sinnvolle Bezogenheit verzichtet und bin beim Wunder der Verbundenheit geblieben. Fazit ist, Bezogenheit, welche die Verbundenheit zu uebertoenen vermag, fuehrt zu Faszination, Sehnsucht und letztlich Untergang in der Bezogenheit. Unfreiheit.

Unfreiheit ist allein gegenueber dem "Hoechsten" angebracht. Dem Einen Sein. Weil wir dessen Ausdruck sind, ist dies eine natuerliche Unterordnung. Hingabe an das Prinzip unbedingter Liebe ist niemals bedrohlich, denn es gibt keine Verurteilung. Wenn wir uns in der Bezogenheit verlieren, ist sie noch immer da. Unbedingt.

Kommentare:

Miiranja hat gesagt…

Lieber Hans
Danke für Deinen Traum. Er beleuchtet sehr schön, wie äussere Impulse sich in der inneren Verbundenheit zu grossem Reichtum verwandeln und nähren. Auch wenn kein Verzicht im Moment möglich wäre, bliebe nicht auch da die Verbundenheit und das nicht Verurteilen in der Liebe zu sich selbst?
Herzlichst Marianna

Hans Jecklin hat gesagt…

Liebe Miiranja

Heute wäre ich präziser: Es geht nicht NUR um Verbundenheit, es geht um Sein in der immer-schon-bestehenden Einheit. Dieses Einheitsbewusstsein zugunsten von vergänglicher Bezogenheit aufzugeben, wäre dies nicht ein Ausblenden der umfassenderen Wahrnehmung? Ein (un-)freiwilliger Gang in die Unfreiheit? Den ich ja auch mit Freude tun kann, wenn ich weiss, was ich dabei tue!

Herzlich, Hans